Heimatdichter Lorenz Rohr

Lorenz Rohr

Heimatdichter aus Venningen

Der aus Venningen stammende Lehrer und Redakteur Lorenz Rohr starb vor 110 Jahren am 28. Oktober 1902 im Alter von 56 Jahren in Evansville im Bundesstaat Indiana in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Portraetbild Lorenz Rohr

In einem Nachruf heißt es: „ Die Stelle unseres Blattes, von der aus Herr Lorenz Rohr als dessen Chefredakteur achtzehn Jahre lang zum Publikum gesprochen hat, ist heute mit Trauerzeichen versehen, denn er, der in diesen langen Jahren in jener Stellung eine so verdienstvolle Thätigkeit entfaltete, ist gestern um die Stunde, da die Morgendämmerung dem Licht des neuen Tages wich, sanft in’s bessere Jenseits hinübergeschlummert „.

In der Zeitung Evansville Demokrat ist am 29. Oktober 1902 zu lesen:

„ Es ist ein Gefühl aufrichtiger Trauer, welches heute den Besitzer und die Angestellten des „Demokrat “ erfüllt, es liegt wie ein schwerer Alp auf den Gemüthern der Mitarbeiter unseres Blattes, ist doch der Stuhl im Redaktionszimmer, den seit 18 Jahren Herr Lorenz Rohr, der Chefredakteur des „Demokrat“ einnahm, leer geworden, um nie wieder von seinem Inhaber ausgefüllt zu werden, den gestern Morgen um 6 Uhr der unerbittliche Tod nach längerem Leiden vom Felde seiner langjährigen Arbeit aus der Mitte eines glücklichen Familienkreises hinweg rief in die Gefilde der Ewigkeit.

Gedenkstein

Nie mehr wird der bekannte Schritt des Verstorbenen in den Räumen des „Demokrat“ erklingen, nie mehr wird Herr Lorenz Rohr mit seinen Mitarbeitern über die Tagesfragen diskutieren, nie mehr werden seine interessanten und geistreichen Leitartikel im „Demokrat“ erscheinen, der grimme Sensenmann hat die Lippen für immer verschlossen; die Hand, die die Feder so trefflich zu führenwusste, ist im Tode erstarrt, das Herz, das so warm für alles Hohe und Schöne, das besonders für alles gut Deutsche schlug, hat seine Thätigkeit eingestellt. Die große Dreißig, das Schlusszeichen des Zeitungsmannes, hat den letzten Platz im Lebensbuche von Lorenz Rohr eingenommen.“ „… am 2. Sept. 1885, als Hr. Rohr Frl. Claire Scheller, die erst einige Jahre zuvor von Deutschland eingewandert war, vor den Altar führte und sich mit ihr zum Bunde für’s Leben vereinen ließ, zum Bunde, den jetzt die grausame Hand des Todes zerrissen hat. Der glücklichen Ehe entsprangen 5 Kinder, von denen zwei, ein Sohn und eine Tochter dem Vater in die Ewigkeit vorangingen, während die übrigen drei, Flora, Hans und Constanze, mit der Mutter, die den schweren Schlag noch kaum zu fassen vermag, den das Geschick ihnen auferlegt hat, den Tod ihres guten, lieben Vaters betrauern.

Außer den Genannten hinterlässt der Verstorbene noch seine betagte, 78 Jahre alte Mutter sowie drei Schwestern in der alten Heimath in Deutschland und eine Schwester, Frau Barbara Hund, in unserer Stadt…
Von dem Verstorbenen wird jeder, der ihn gekannt hat, wenn immer sein Name erwähnt werden wird, sagen müssen: Er war ein guter Mensch. Ehre seinem Andenken. „ Auf Friedhof „Oak Hill Cemetery“ in Evansville hat Lorenz Rohr seine letzte Ruhestätte gefunden. Der Grabstein ist ein flacher, oben leicht gewölbter und einfacher Stein. Inschrift: Father (=Vater), Lorenz Rohr 1846 – 1902 Sein Grab, das seiner Frau und die Gräber von drei Kindern sind noch erhalten.
Zusammengestellt von Alois Wintergerst.

Lorenz Rohr über die Venninger Kerwe:

Lorenz Rohr schrieb dazu am 12. Sept. 1898 folgende Zeilen:

Die Venninger Kerwe ist wieder vorbei und viele aus dem Ort stammende sind an den Kerwetagen heim gekommen. Früher gab es während der Kerwe oft Ärger mit Besuchern aus den Nachbardörfern, was es heute, Gott sei Dank, nicht mehr gibt.
Besuch in Venningen:
Es wird mich sehr freuen, wenn Du gelegentlich Deinen Plan, meine gute Mutter und die ganze Freundschaft, in Venningen zu besuchen, ausführen wirst. Mein Schwager Herrmann,  der Doktor, Bader des Ortes, wird Dir gut als Führer dienen können und bei meiner jüngsten Schwester, der verwitteten Ochsenwirthin, wird es jedenfalls an einem guten Schoppen nicht fehlen. Nur möchte ich wünschen, daß Du auf die K e r w e (sie fällt auf den ersten Sonntag nach Egidi, 1. Sonntag im September) hättest nach Venningen kommen können.
Man heißt die K e r w e die Q u e t s c h e k e r w e , es gibt da gute Quetschekuche und auch sonst noch gute Bissen for die Achel, dazu selbstverständlich einen guten Tropfen.
Wenn die Kerrweiler nicht Holzen anfangen, so nimmt die Kerwe in der Regel einen guten ruhigen Verlauf; doch vor etlichen Gefahren kann der Doktor, der zugleich auch Leichenbeschàuer für etliche Dörfer ist, am Kerwemontag viel zu thun. Erst erstickte einer an einer Brotworscht und dann versoff der „wälsch Niklar“- im Puhl (Mistphuhl). So tritt oft auch in idylischen Dörfchen das gewaltige Schicksal in schrecklichster Gestalt mitten unter die Jubelnden hinein.